Die Wirtschaft und Entstehung von Lipari

Auswirkung vom Tourismus in Lipari auf die Gastronomie. Entstehung der steilen Westküste Liparis.

Willkommen auf Lipari!

Wir befinden uns auf einer der sieben Äolischen Inseln im Herzen des Tyrrhenischen Meeres nördlich von Sizilien. Die Inselgruppe – auch Liparische Inseln genannt – gehört politisch zu Italien. Die sieben Inseln (Lipari, Stromboli, Salina, Vulcano, Panarea, Filicudi und Alicudi) sind vor allem für die Vielfalt und Häufigkeit ihrer vulkanischen Aktivitäten bekannt und alle unterschiedlich gross.

Lipari ist mit 12'508 Bewohnern (Stand 31. Dezember 2022) und einer Gesamtfläche von 88.61 km 2  die bevölkerungs- und flächenmässig grösste Insel dieser malerischen Inselkette. Dementsprechend ist Lipari ein starker Touristenmagnet und die am meisten besuchte der Inseln. Die exakte Anzahl der Besucher ist selbstredend nicht bekannt. Schätzungen gehen jedoch von mehreren hunderttausend Menschen aus, die jährlich (primär mit dem Schiff) nach Lipari reisen. Dies nicht nur der wunderschönen Strände und des angenehmen Mittelmeerklimas wegen; auch die einzigartige Landschaft zieht viele Touristen an. Die touristische Hauptsaison ist eindeutig der Sommer. Das milde Klima macht Lipari aber auch im Frühling und Herbst zu einer sehr lohnenswerten Reisedestination.

Auswirkung vom Tourismus in Lipari auf die Gastronomie.

Der Tourismus auf Lipari ist sehr vielfältig und lässt sich in mehrere charakteristische Kategorien unterteilen, welche jeweils einen unterschiedlich grossen Einfluss auf die Entwicklung bzw. den Grad der Veränderung der Insel haben.

Die Gruppe der Erholungstouristen reist primär nach Lipari, um Urlaub zu machen und sich zu erholen. Daneben gibt es unter anderem Wander-, Umwelt- und Kulturtouristen, welche vor allem am noch naturbelassenen Teil der Insel bzw. an der Vielzahl gut erhaltener historischen Zeugnisse interessiert sind. Eine weitere Besuchergruppe wiederum kommt hauptsächlich wegen des Essens nach Lipari (Gourmettouristen).

Der Urlaubs- inklusive dem Gourmettourismus hat die Insel ökonomisch und durch seinen Bedarf nach Ausbau der Infrastruktur sicherlich am meisten verändert, weshalb wir im Folgenden die entsprechenden Auswirkungen und unsere eigenen Beobachtungen vor Ort etwas näher beleuchten möchten.

Aufgefallen ist uns beispielsweise, wie unterschiedlich die Preise der Restaurants auf Lipari sind; dies auch im Unterschied zum italienischen Festland. Entlang der Hauptstrasse sind wir praktisch nur teuren Restaurants begegnet. Für Touristen aus wohlhabenden Ländern (wie etwa der Schweiz oder den USA) mögen die Preise im Unterschied zur Heimat oder im Vergleich zu Italiens Tourismushotspots in Mailand, Florenz oder Rom zwar noch immer erschwinglich wirken. Vergleicht man sie jedoch mit den Preisen, die sonst für die Region Süditalien üblich sind, erweisen sie sich teilweise als astronomisch hoch. So ist ein vergleichbares Gericht oder eine entsprechende Mahlzeit auf dem Festland, etwa in der Region Kalabrien oder auf Sizilien, oft deutlich günstiger als auf Lipari. Sehr anschaulich demonstrieren lässt sich der Unterschied am konkreten Beispiel der Pizza.

Im Lokal "Da Lina" im kalabresischen Torre di Ruggiero zahlt man auch als Tourist für eine hausgemachte Pizza Margherita lediglich € 3-4. In der Pizzeria Pescecane auf Lipari hingegen, zahlt man für das Selbe fast den doppelten Preis (€ 7, siehe Bild). Zudem weiss man auf Lipari nicht immer, wie frisch genau die Zutaten sind. Handelt es sich dabei doch nicht selten um Lebensmittel, die vom Festland aufwändig auf die Insel importiert werden müssen. Die entsprechenden Waren liegen oft mehrere Tage bis hin zu Wochen in Frachtcontainern, um sie auf die einzelnen Äolischen Inseln verschiffen zu können. Dies ist trotz Kühlung und professioneller Logistik nach wie vor kein zügiges Unterfangen.

Dies bringt uns bereits zum nächsten Punkt, nämlich dem Importverhalten. Durch die grosse temporäre Zunahme der Menschen auf der Insel im Rahmen des Tourismus, sind die Gastronomiebetreiber unter anderem auf deutlich mehr Lebensmittel angewiesen, als eigentlich für die Wohnbevölkerung notwendig wären. Dadurch und wegen der begrenzten Transportkapazität schiesst der Preis für bereits zubereitetes Essen, wie auch der Preis frischer Lebensmittel vor allem in den Sommermonaten durch die Decke.

Bei der Restaurantsuche in Lipari sind einige Punkte hilfreich, um Touristenfallen zu umgehen. Es lohnt sich (auch bereits vor der Reise), online nach Empfehlungen für gut bewertete Restaurants zu suchen. Ebenso kann es hilfreich sein, sich vor Ort von Einheimischen beraten zu lassen. Restaurants in unmittelbarer Nähe von Touristenattraktionen eher zu meiden und aufdringlichen Werber vor den Lokalen aus dem Weg zu gehen, bewahrt einem nicht selten vor Enttäuschungen. Am besten liest man die Speisekarte sorgfältig durch oder reserviert schon im Voraus. Findet man ein Restaurant, in dem viele Einheimische essen, ist das in der Regel ein gutes Zeichen für die Qualität der Küche und das Preis-Leistungs-Verhältnis. Lokale Spezialitäten auszuprobieren, um die authentische süditalienische Küche zu geniessen, ist auf jeden Fall zu empfehlen, um Lipari auch kulinarisch in bester Erinnerung zu behalten.

In Lipari und vielen anderen Teilen Italiens beginnt das Abendessen üblicherweise einiges später als etwa in der Schweiz. Vor 20:00 Uhr geht im typisch süditalienischen Restaurant in der Regel nichts. Klassischerweise reserviert man für das Abendessen gegen 21:00 Uhr, wobei auch eine Reservierung auf 22:00 Uhr noch keinesfalls als spät empfunden wird. Dies entspricht dem süditalienischen Lebensstil: In der ärgsten Hitze des Nachmittags ziehen sich die Menschen zur Erholung zurück. Dafür geniessen sie ein ausgedehntes Abendessen und soziale Aktivitäten spätabends umso mehr.

In der Nebensaison ist das kulinarische Angebot auf Lipari da und dort eingeschränkter und die Öffnungszeiten der Lokale werden gerade über den Winter oft verkürzt, um der wegen den ausbleibenden Touristen reduzierten Nachfrage Rechnung zu tragen. In der touristischen Hauptsaison hingegen sind die Cafés und Bars in Lipari auch noch lange nach dem Abendessen geöffnet und laden die Einheimischen und Besucher dazu ein, sich zu treffen, zu plaudern und die unvergleichliche Atmosphäre der mediterranen Sommernächte zu geniessen.

Entstehung der steilen Westküste Liparis.

Während unseres Aufenthalts auf Lipari haben wir eine Karte dieser Insel betrachtet, auf der deutlich zu erkennen ist, dass es auf der westlichen Inselseite nur wenige Gebäude und Infrastrukturen gibt. Auch fehlt ein ausgedehntes Strassennetz, das es ermöglichen würde, die Insel zu umrunden und bis in die hintersten Winkel zu erkunden. Tatsächlich konzentriert sich die Mehrheit der Bevölkerung auf die östliche, südliche und nördliche Küste, wo sich auch die Hauptstrände befinden. Demzufolge zieht es die meisten Badeurlauber in diese Regionen. Auffällig auf der Karte sind auch die zahlreichen Panoramaaussichtspunkte, die Gelegenheit bieten, atemberaubende Fotos von der endlosen Meereslandschaft zu machen. Diese Orte sind besonders bei Wanderern beliebt.

Eine interessante Frage drängt sich auf: Warum gibt es entlang der südlichen Küste so gut wie keine Infrastruktur, Häuser oder Strände? Die Antwort liegt in der ausserordentlichen Steilheit dieser Küstenlinie begründet. Doch handelt es sich hierbei um einen blossen Zufall? Keineswegs. Tatsächlich sind steile, zerklüftete Küsten charakteristisch für viele vulkanische Inseln. In der ersten Phase des Vulkanismus können explosive Eruptionen und pyroklastische Ströme dazu führen, dass steile Klippen entstehen. Im Laufe der Zeit verstärken natürliche Erosionskräfte wie Wind und Wasser diese Steilheit noch weiter. Die Ostseiten solcher Inseln sind in der Regel windgeschützt, was die Erosion der Gesteine an der Westküste noch stärker begünstigt.

Die erste Phase des Vulkanismus auf Lipari war geprägt von explosiven vulkanischen Aktivitäten. In dieser Phase gab es zahlreiche bedeutende Eruptionen, die massgeblich zur Bildung der charakteristischen Landschaft der Insel beitrugen. In der ersten Unterphase drang Magma durch Risse in der Erdkruste zur Oberfläche. Dieses Magma stieg aufgrund des enormen Drucks und des Dichteunterschieds empor. Bei den Ausbrüchen wurden große Mengen an Gasen und pyroklastischem Material (Asche, Schlacken, Lapilli) freigesetzt.

Vulkanische Asche entsteht während heftiger Vulkanausbrüche, bei denen festes Gestein oder Lava pulverisiert wird, wenn es mit geschmolzenem Magma in Berührung kommt. Vulkanische Asche als solche stellt in der Regel für den Menschen kein direktes Gesundheitsrisiko dar, obwohl die Asche vor allem die Schleimhäute der Augen reizen und zu asthmatischen Beschwerden führen kann. Allerdings sind hochaufsteigende Aschewolken ein erhebliches Problem für den Flugverkehr und ihr späteres Niedergehen auf die Landschaft ein einschneidendes Ereignis für die betroffene Pflanzenwelt.

Schlacken sind das Produkt von Magma mit hohem Gasgehalt, das aus dem Krater aufsteigt. Im Erdinneren herrscht enormer Druck auf dieses Magma, aber wenn es an die Oberfläche gelangt, zerfällt es in bläschenartige Fetzen, die schließlich aus dem Vulkan geschleudert werden. Das Gestein zeigt eine blasige und löchrige Struktur, die durch die Entgasung an der Oberfläche entsteht.

Lapilli, was im Italienischen "Steinchen" bedeutet, bilden zusammen mit vulkanischer Asche und Bomben das sogenannte Tephra. Lapilli entstehen, wenn vulkanische Asche sich um einen Kern herum ansammelt, wobei dieser Kern ein fester Partikel sein kann oder sogar ein Wassertropfen, der normalerweise durch Regen eingetragen wird.

In der zweiten Unterphase des Vulkanismus auf Lipari waren die Ausbrüche meist explosiv. Dies bedeutet, dass das Magma erhebliche Mengen an Gasen enthielt, die rasch freigesetzt werden mussten, was dazu führte, dass das Magma in viele kleine Stücke zersplitterte. Diese kleinen Stücke bildeten dann pyroklastische Ströme.

Pyroklastische Ströme haben die Fähigkeit, das Gelände, einschließlich der noch nicht gebildeten Klippen, zu erodieren und das abgelagerte Material zu schaffen, was zu den steilen Klippen und Hängen führt. Die Erosion tritt aufgrund des immensen Drucks und der Geschwindigkeit auf, mit der pyroklastische Ströme sich bewegen. Die Ablagerung erfolgt, wenn die Geschwindigkeit des pyroklastischen Stroms abnimmt oder wenn der Strom auf Hindernisse trifft.

Die wiederholten Ausbrüche und Ablagerungen von pyroklastischem Material führten zur Bildung von Vulkankegeln, die typischerweise sehr steil und kegelförmig sind. Somit hat die erste Phase des Vulkanismus massgeblichen Einfluss auf die geologische Struktur von Lipari genommen und somit auch auf die Beschaffenheit der Westküste. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass viele Faktoren zur Entstehung der steilen Westküste von Lipari beigetragen haben. Die vulkanische Aktivität legte die Grundlage durch ihre explosiven Ausbrüche, während pyroklastische Ströme die Formung der Klippen vorantrieben.

Die Exkursion nach Lipari hat uns einen faszinierenden Einblick in die Auswirkungen des Tourismus auf die Insel sowie deren Gastronomie gegeben. Ebenso interessant war es, vor Ort mehr über die geologische Entstehung der steilen Westküste zu erfahren. Der Tourismus, insbesondere der Urlaubs- und Gourmettourismus, hat die Wirtschaft und das heutige Erscheinungsbild der Insel massgeblich beeinflusst. Die damit verbundene Preisgestaltung und die logistischen Herausforderungen in der lokalen Gastronomie werden durch den Toursimus ebenfalls nachhaltig mitgeprägt. Die Vielfalt der Besuchergruppen spiegelt die reiche Kultur und Naturschönheit von Lipari wider. Die geologische Analyse zeigt, wie die vulkanische Aktivität und pyroklastische Ströme die charakteristische Landschaft der Insel geprägt haben, insbesondere die steile Westküste. Dieses Wissen bereichert unser Verständnis für die einzigartige Natur dieser Region. Ein herzlicher Dank geht an unsere Lehrerinnen, die die Organisation dieser Exkursion vorangetrieben und diese fachkundig geleitet haben. Ihre Unterstützung und ihr Engagement haben es uns ermöglicht, diese spannenden Erkenntnisse zu sammeln und die Schönheit von Lipari zu erleben. Wir sind dankbar für diese wertvolle Lernerfahrung, die uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.

^