Graffitis im Stadtteil Lehen
Wo befindet sich Graffiti welcher Art im Stadtteil Lehen?
Einführung:
Die nachfolgenden Karten und Daten befassen sich mit den Standorten, der Menge und dem Ausarbeitungsausmaß von Graffitis unterschiedlicher Art im salzburger Stadtteil Lehen.
Das vorgestellte Projekt erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und sollte als Momentaufnahme des Aufnahmezeitraums 19./20.07.2022 betrachtet werden, da Graffitis im öffentlichen Raum regelmäßig von anderen Künstler*innen übersprüht beziehungsweise von Eigentümer*innen übermalt werden und laufend neue Graffitis entstehen.
Zur Abbildung der Graffitis wurden ihre Standortdaten, Legalität und Ausarbeitungszustand, oder auch Art, ermittelt, sowie Fotos der einzelnen Graffitis zur besseren Veranschaulichung geschossen. Im Zuge dieses Projekts werden Graffitis, als mit Sprühfarben im öffentlichem Raum gefertigte Bilder, Schriftzüge, Sätze, Wörter oder Symbole, definiert.
Der bereits erwähnte Ausarbeitungszustand/die Art des Graffitis wird folgenderweise eingeteilt:
- Streetart – kunstvoll ausgearbeitete Bilder, wenn mit Schrift gearbeitet wurde, ist diese zweitrangig zur bildlichen Darstellung;
- Style-Writing – kunstvoll ausgearbeitete Schriftzüge, wenn die Graffitis bildliche Elemente beinhalten, sind diese zweitrangig zur Schrift;
- nicht genauer ausgearbeitete Werke; wie einfache (meist einfarbige) Sätze, Wörter oder Symbole.
Ergebnisse:
Auf der nebenstehenden Karte Lehens sind, um einen Überblick zu gewinnen, die oben geschilderten Graffiti-Arten in Form von verschiedenfarbigen Rauten eingezeichnet.
Violett steht hierbei für 1. Streetart, blau für 2. Style-Writing und rot für 3. einfacher/weniger ausgearbeitete Graffitis.
Beim Anklicken einer dieser Rauten erscheint ein Pop-Up mit Informationen und einem Bild des Graffitis an diesem Standort.
Verteilung:
Die meisten Graffitis befinden sich im Bereich der (legalen) Graffitiwände – neben dem Markatkai an der Salzach, sowie entlang der Mauer neben der S-Bahn an der Grenze zu Mülln – aber auch im Bereich um die Bundeshandelsakademie und Berufsschule sind einige Graffitis zu entdecken.
In den mittigeren Teilen Lehens – an großen Straßen oder in Wohngegenden – gibt es hingegen nur vereinzelt Graffitis.
1) Streetart:
Streetart beziehungsweise ausgearbeitete Bilder sind die am wenigsten vertretene Gruppe der drei Graffitikategorien. Mit 21 Bildern entspricht Streetart ungefähr 12,35 % der gesammelten Daten.
Zudem ist Streetart beinahe ausschließlich auf legalen Graffitiwänden und kaum auf illegalen zu finden.
Beispielbilder:
Aufnahmeort: S-Bahnmauer
Aufnahmeort: S-Bahnmauer
2) Style-Writing:
Kunstvoll ausgearbeitete Schriftzüge, in der Form von Style-Writing, machen mit 89 Werken ca. 53,35 % der aufgezeichneten Graffitis aus. Sie ist demnach die größte der drei Gruppen.
Auch Style-Writing ist überwiegend, aber nicht nur, auf den beiden legalen Graffitiwänden an Salzach und neben der S-Bahn zu finden. Vor allem an der Salzachmauer ist es häufig vertreten.
Es befinden sich ausgearbeitete Schriftzüge – wenn auch nicht so häufig – auch auf illegalen Graffitiwänden, wobei diese dazu neigen, weniger aufwendig gestaltet zu sein als ihre legalen Varianten.
Beispielbilder:
Aufnahmeort: Salzachmauer (legal)
Aufnahmeort: Brücke-Lehen Unterführung (illegal)
3) einfachere Zeichen/Schriften:
Die weniger ausgearbeiteten Schriften und Symbole stellen mit 60 Einträgen ca. 35,29 % der Datengesamtheit dar.
Sie sind selten auf den Wänden, an denen das Sprayen legal ist, anzutreffen, ansonsten jedoch am gleichmäßigsten der drei Kategorien verteilt, wobei eine leichte Häufig im Osten Lehens zu verzeichnen ist.
Beispielbilder:
Aufnahmeort: Schuhmacherstraße
Aufnahmeort: Arnsdorfgasse (politisch)
Zusammenhänge/Interpretation:
Legalität:
Die nebenstehende Karte zeigt die legalen Graffitis in grün und die illegalen in pink.
Erneut sind die beiden legal besprühbaren Wände an Salzach und S-Bahn zu erkennen. Total sind 90 der verzeichneten Werke legal, das entspricht ungefähr 52,94 % der Graffitis. 47,06 % beziehungsweise 80 Graffitis wurden hingegen illegalerweise angefertigt.
Verglichen mit den oben gezeigten Karten lässt sich der Trend erschließen, dass insbesondere Graffitis der weniger ausgearbeiteten Kategorie 3. auf nicht legale Plätze gesprüht werden. Im Gegensatz dazu sind die Werke aus den anderen beiden Kategorien nur in vereinfachter oder kleinerer Form auf illegalen Wänden zu finden, während die (am meisten) ausgearbeiteten Bilder und Schriftzüge sich auf den sogenannten legalen Salzwänden befinden.
Ein möglicher Grund dafür kann sein, dass die Gefahr beim illegalen Sprühen erwischt zu werden, die sprühende Person dazu zwingt, ihre Werke kleiner und einfacher zu gestalten, um schneller fertig zu sein.
Ein Grund für das illegale Sprühen an sich könnte sein, dass Graffitis der Kategorie 3. oftmals zum Wiedergeben von (politischen) Ansichten genutzt werden. Diese Ansichten wirken teilweise "überzeugender", wenn sie nicht legal geäußert werden, weil sie sich zum Beispiel gegen gewisse Gesetzte/eine Obrigkeit richten. Die Äußerungen wirken dadurch rebellischer, beziehungsweise fallen sie mehr ins Auge, da der*die Vorbeigehende nicht durch andere Graffitis abgelenkt wird.
Standort:
Warum die meisten Graffitis sich auf den zugewiesenen Graffitiwänden befinden, ist recht klar: Weil Sprayen dort legal ist. Bei den illegalen Graffitis ist die Antwort weniger eindeutig.
Wenn die Verteilung der pinken Rauten betrachtet wird, verdichten sie sich, wie oben bereits erwähnt, im Bereich der Bundeshandelsakademie und Berufsschule. Diese Verteilung legt nahe, dass die Graffitikünstler*innen entweder dort öfter vorbeikommen – vielleicht, weil sie dort in die Schule gehen oder jemanden kennen – oder, vor allem im Falle eines Aufrufes oder politischen Meinungsäußerung, glauben dort möglichst viele Leute erreichen zu können.
Ein anderer Ort an dem sich illegale Graffitis häufen, sind Unterführungen. Vermutlich da Unterführungen meist leere Wandfläche bieten, die zusätzlich niemanden privat gehört, was die Wahrscheinlichkeit, dass das Graffiti schnell wieder von dem*der Besitzer*in der Wand übermalt wird, verringert.
Beispiel:
Fazit:
Um auf die Frage des Untertitels vom Anfang einzugehen: Anscheinend werden die offiziellen, legalen Graffiti-Wände in Lehen gut angenommen. Vor allem die Hochwasserschutzmauer an der Salzach zeigt kaum noch freie Fläche. Die Mauer neben den S-Bahnschienen ist in ihrer Kapazität jedoch noch nicht wirklich ausgereizt, was damit zusammenhängen könnte, dass sie erst 2020 eröffnet wurde.
Illegale Graffitis gibt es zwar auch einige, diese nehmen aber meist nicht so viel Platz ein wie die legalen Werke.
Die dominierende Graffitiart ist in Lehen das Style-Writing. Die kunstvollen Schriftzüge machen über die Hälfte der Graffitis in diesem Stadtteil aus. Werke bei denen das Bild und nicht das Geschriebene im Vordergrund steht, sind hingegen seltener.