Goslar - En Hansestadt an de Kant vun de Bargen.

Al siet de Römertiet is de Harz en Landstreek vun Bedüden, denn hier gifft dat Erz to halen.


Footloop dörch Goslar

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Kaiserworth

De Kaiserworth weer dat Huus vun de Gillen vun de Dookmakers un Fernhannelskooplüüd in de Hansetiet. De weren riek un hebbt sik en smucket Huus hensett. Dat de Kaiser dorbi en „Wort“ mitsnackt hett, is aver nich richtig. Denn egens is dat mit dat Wort „Warft“ verwandt. Warften, Wurten oder Wurthen kennt een to’n Bispeel as lütte Hügel op Halligen, op de de Hüüser staht. Düsse Wöör un ok uns Worth kaamt vun olsässisch wurð – hd. Hofstätte, Boden un dann mnd. wurt, wort – hd. (künstliche) Anhöhe zum Hausbau. Dat hangt ok eng tosamen mit aengl. weorð, worð – hd. Hofplatz. Also kann dat för uns Kaiserworth heten, dat de Bodden, wo se op steiht, villicht noch mal en beten höger maakt worrn is…so kunn ok achteran jedeen sehn, dat düsse Kooplüüd mit jüm ehr Gillen bannig wichtig weren.

Die Kaiserworth war das Gildehaus der Tuchmacher und Fernhandelsgilden in der Hansezeit. Diese wohlhabenden Gilden konnten es sich leisten, ein prächtiges Gebäude direkt am Marktplatz zu bauen. Das dabei der Kaiser ein „Wort“ mitgeredet hätte, stimmt allerdings nicht. Denn eine „Worth“ ist mit dem Wort „Warft“ verwandt. Warften, Wurten oder Wurthen sind beispielsweise Bezeichnungen für kleine, künstlich aufgeschüttete Hügel auf den Halligen in der Nordsee. Auf diesen stehen die Häuser. All diese Begriffe leiten sich von altsächsisch wurð  –  Hofstätte, Boden und mnd. wurt, wort – (künstliche) Anhöhe zum Hausbau ab. Eng verwandt ist auch das altenglische weorð, worð – Hofplatz. Möglicherweise wurde also der Grund der Kaiserworth künstlich aufgeschüttet – ein Zeichen, dass die Kaufleute der zugehörigen Gilden besonderes Ansehen hatten.

The Kaiserworth was the guild house of the clothiers' and long-distance traders' guilds in the Hanseatic period. These wealthy guilds could afford to build a magnificent building directly on the market square. However, it is not true that the emperor had a say in the matter. A "worth" means not "word" but is related to the term "Warft" (dwelling mound). Warften, Wurten or Wurthen are, for example, names for small, artificially raised hills on the Halligen in the North Sea. The houses stand on these. All these terms are derived from the Old Saxon wurð - farmstead, ground and mlg. wurt, wort - (artificial) hill for building houses. Closely related is also the Old English weorð, worð - yard place. It is therefore possible that the ground of the Kaiserworth was artificially raised - a sign that the merchants of the associated guilds had special prestige.

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Knochenhauerstraße

Dat eerste Mal dükert de Straat as Knokenhauerstraße 1174 op. In 1455 ok as Knaakenhauer Straaten un 1481 as Knakenhauerstrate. De Knakenhauer is en olen Naam för Slachter un de weren mit ehr Handwark in de Achterhöff vun ehr Hüüs togangen. Verköfft verköfft hebbt se dat Fleesch aver in de Straat Fleischscharren.

Die Straße wurde zuerst als Knokenhauerstraße um 1174 erwähnt. In den Jahren 1455 findet man sie auch als Knaakenhauer Straaten und um 1481 als Knakenhauerstrate. Knochenhauer ist eine veraltete Bezeichnung für Fleischer, die in dieser Straße in den Hinterhöfen ihrer Häuser ihr Handwerk ausübten. Ihre Ware verkauften sie jedoch in der Straße Fleischscharren.

The street was first mentioned as Knokenhauerstraße around 1174. In 1455 it is also found as Knaakenhauer Straaten and around 1481 as Knakenhauerstrate. Knochenhauer – bone breaker - is an obsolete term for butchers who practised their trade in the backyards of their houses in this street. However, they sold their goods in the street called Fleischscharren.

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Fachwerkhaus mit Ostfälischer Variante: Goslarer Platt

De Bildhauer, Holtsnieder, Maler, Grafiker un Tekner Rudolf Nickel (1890-1975) hett na ole Vörbiller de Balken vun dat Fackwarkhuus Domstraße, an de Eck vun de Knochenhauerstraße op Goslarer Platt utsmückt:

Wenn disset Hus sau lange steiht, et up’r Welt de Neid vergeiht, so steiht et nich blot Jahre lang, sau steih’t noch an’n Weltunnergang. – Wenn dieses Haus solange steht, es auf der Welt der Neid vergeht, so steht es nicht bloß Jahre lang, so steht’s noch am Weltuntergang.

Der Bildhauer, Holzschnitzer, Maler, Grafiker und Zeichner Rudolf Nickel (1890-1975) gestaltete nach historischen Vorbildern den Balken desFachwerkhauses Domstraße, Ecke Knochenhauerstraße in Goslarer Platt:

Wenn disset Hus sau lange steiht, et up’r Welt de Neid vergeiht, so steiht et nich blot Jahre lang, sau steih’t noch an’n Weltunnergang. – Wenndieses Haus solange steht, es auf der Welt der Neid vergeht, so steht es nicht bloß Jahre lang, so steht’s noch am Weltuntergang.

The sculptor, woodcarver, painter, graphic artist and draughtsman Rudolf Nickel (1890-1975) designed the beam of the half-timbered house on Domstraße, at the corner of Knochenhauerstraße in Goslar Platt, based on historical models:

Wenn disset Hus sau lange steiht, et up’r Welt de Neid vergeiht, so steiht et nich blot Jahre lang, sau steih’t noch an’n Weltunnergang. - If this house stands as long as the world's envy lasts, it will not only stand for years, it will still stand at the end of the world.

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Abzuchtstraße

In Goslar gifft dat twee lütte Waterlopen. Een dorvun is de Abzucht, vun de de Straat ehren Naam hett. Drinken kunnen de Lüüd in’t Middelöller aver nich vun dat Water. Denn dor hebbt de Barglüüd dat Schietwater ut den Rammelsbarg rinkippt. Dorvun kummt ok de Naam. Denn in de Spraak vun de Barglüüd heet „abziehen“ – wat afleiden oder ümleiden heet. Mit en Kanalsystem is dat Water dörch de Stadt gahn. Wenn dat Water apen leep, hett dat nd. Beeke – Bach, Rinne, heten. Wenn dat in en Rohr leep, weer dat en nd. Pipe. So´ne lütten Afwater-Lopen weren dat överall dor, wo dat Bargbu geev. Faken he sünd Möhlen vun Garvers an de Waterlopen buut worrn. De bruken Urin för ehr Handwark un dat kunnen se achteran glieks in’t fule Water geten. So ok in Goslar de Lohmühle, an de uns Padd vörbi geiht.

In Goslar gibt es zwei kleine Flüsschen. Einer von diesen ist die Abzucht, von der auch die Straße ihren Namen hat. Die Abzucht führte allerdings schon zur Hansezeit kein Trinkwasser. Das Gewässer wurde als Abwasserkanal für die Grubenwässer aus dem Rammelsberg und auch von den angrenzenden Häusern genutzt. Davon leitet sich auch der Name Name „Abzucht“ her. In der Bergmannssprache bedeutet „abziehen“ – etwas ab- oder umleiten. Ein Kanalsystem transportierte das Wasser der Abzucht durch die ganze Stadt. Die Bereiche, die offen lagen nannte man nd. Beeke – hd. Bach, Rinne. Die Stellen, an denen die Abzucht durch ein Rohrsystem geleitet wurde, nannte man nd. Pipe – hd. Rohr. Solche Kanalsysteme zur Ableitung von Abwässern, fanden sich in vielen Bergbauregionen. Häufig siedelten sich Gerber an den Ufern der Abwasserflüsse an. Diese brauchen Urin für ihr Handwerk. Die Fäkalien konnten sie so nach Gebrauch direkt entsorgen. In Goslar führt unser Weg auch direkt an der Lohmühle, einer alten Gerbermühle, vorbei.

There are two small rivers in Goslar. One of them is the Abzucht, from which the street also takes its name. However, the Abzucht did not carry drinking water even in Hanseatic times. The watercourse was used as a sewer for the mine water from the Rammelsberg and also from the neighbouring houses. This is also where the name "Abzucht" comes from. In miners' language, "abzucht" means to divert or divert something. A canal system transported the water of the Abzucht through the whole town. The areas that were open were called nd. Beeke - en. stream, gutter. The places where the Abzucht was led through a pipe system were called nd. Pipe - en. pipe. Such canal systems for the drainage of waste water were found in many mining regions. Tanners often settled on the banks of the sewage rivers. They needed urine for their craft. They could thus dispose of the faeces directly after use. In Goslar, our path also leads directly past the Lohmühle, an old tanner's mill.

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Klapperhagen

De Straat gifft dat woll siet dat 12. Johrhunnert. An ehr liggt de Lohmühle. Ok wenn en nu denkt, dat de Naam vun dat Klappern vun de Möhl kummt, gifft dat ok noch en annere Wege to´n Düden. Denn mnd. hāgen heet eerst mal so veel as hd. umzäunter Platz, Holzzaun oder Hecke. Un an’n 14.02.1645 hebbt Stadtraat un Domstift beslaten, dat se an de Steed en „Hagen“ buen wüllt. Denn se wullen en Scheed twüschen den Streek vun de Kaiserpfalz un dat Domstift hebben. Dormit de Lüüd dor aver ok noch dörch köönt, mussen dor noch Dören oder eben Klappen rin.

Die Straße gibt es vermutlich bereits seit dem 12. Jahrhundert. An ihr liegt auch die Lohmühle. Man mag nun vielleicht denken, dass sich der Name der Straße vom Klappern des Mühlrades ableitet. Allerdings gibt es auch noch eine andere Möglichkeit. Denn mnd. hāgen bedeutet so viel wie umzäunter Platz, Holzzaun oder Hecke. Am 14.02.1645 beschlossen außerdem der Stadtrat und das Domstift, dass sie an der Stelle der Straße einen „Hagen“ bauen wollen. Man wollte eine Trennung zwischen den Bereichen der Kaiserpfalz un des Domstiftes schaffen. Um den Durchgangsverkehr zu ermöglichen, mussten jedoch Pforten oder eben Klappen hineingebaut werden.

The street has probably existed since the 12th century. The Lohmühle mill is also located on it. One might think that the name of the street is derived from the clattering of the mill wheel. However, there is another possibility. For mlg. hāgen means something like a fenced-in place, wooden fence or hedge. On 14.02.1645, the city council and the cathedral chapter also decided that they wanted to build a "Hagen" on the site of the street. They wanted to create a separation between the areas of the imperial palace and the cathedral chapter. In order to allow through traffic, however, gates or flaps had to be built in.

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Hoher Weg

Dor wo nu en brede Straat is, weer fröher en Brook vun en tweten Waterloop in Goslar – de Goose. De hebbt de Lüüd aver dröög leggt un Eer un Gnapp opkippt, dormit de Adelslüüd dröög na de Kaiserpfalz hen kunnen. So weer de Padd eenmal en beten höger as de Rest un bavento för de hogen Lüüd dacht.

Dort wo heutzutage eine breite Straße verläuft, war im Mittelalter noch sumpfiges Gelände. Ein Seitenarm des Flusses Goose verlief dort. Dieser wurde jedoch zu und eine Straße mit Erde und Kies aufgeschüttet. So erhöhte sich einerseits der Straßenverlauf im Vergleich zum restlichen Gebiet und andererseits war die Straße primär für die höhere Gesellschaftsschicht des Adels gedacht. Auf der neuen Straße kamen sie trockenen Fußes zur Kaiserpfalz.

Where nowadays a wide road runs, there was still swampy terrain in the Middle Ages. A branch of the river Goose ran there. However, this was closed and a road was filled in with earth and gravel. Thus, on the one hand, the course of the road was elevated in comparison to the rest of the area, and on the other hand, the road was primarily intended for the higher social class of the nobility. On the new road they could reach the imperial palace on dry feet.

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Kaiserbleek

Bi de Kaiserbleek is de Naam Programm. Düsse Wisch vör de Kaiserpfalz hebbt de Lüüd för ehr witt Tüüch bruukt. Na´t Waschen hebbt se de Wäschstücken dor henleggt, to’n Drögen un vun de Sünn bleken to laten. Denn nd. bleek heet bleich. Un villicht weern de Lakens achteran so witt, as de Edeldamen dat üm de Nees rüm ween.

Bei der Kaiserbleek ist der Name Programm. Diese Wiese unterhalb der Kaiserpfalz nutzen die Menschen um ihre weiße Wäsche zu trocknen un von der Sonne bleichen zu lassen. Denn nd. bleek heißt bleich. Möglicherweise waren die Laken danach auch sie weiß, wie die Haut der adligen Damen.

The name Kaiserbleek says it all. People use this meadow below the Kaiserpfalz to dry their white laundry and let it bleach in the sun. Because "bleek" means bleached. Possibly the sheets were pale white afterwards, like the skin of the noble ladies.

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Liebfrauenberg

An dat Enn vun de Straat Liebfrauenberg geev dat üm 1200 noch en Door mit de St. Martinkapelle. Later sünd dor mehr un mehr Hüser rümbaut worrn. Tosamen mit de Stadtmuer is dor vundaag en Hoff, de utsüht as en Dreekant. In’t Middelöller hett dat allens de Domstift höört. Dat hett „Bürgerhaus“ heten. Dat weer en Horenhuus. Aver nich fuul! In middelnedderdüütschen Urkunnen steiht dor "das fruwenn hus by sant Martens Capellen an der Avetucht" - hd. "Das Frauenhaus/ Freudenhaus bei der Kapelle des heiligen Martin an der Abzucht". Wiel dat in´n Süden vun de Abzucht weer, hett dor ok dat Stadtrecht nich mehr grepen, sünnern dat kanonische Recht vun de Domfreiheit. De Arbeitgevers vun de Damen sünd also egens de Lüüd vun dat Domstift ween.

Am Ende des Liebfrauenberges wurden die Reste der um 1200 errichteten Torkapelle St. Martin und des Martiniturms in die heutigen Fachwerkbauten mit einbezogen. Sie umschließen zusammen mit der Stadtmauer einen dreieckigen Hof. Im Mittelalter war diese Anlage im Besitz des Domstiftes und als „Bürgerhaus“ bekannt. Hinter dem Namen verbarg sich damals ein „nicht anrüchiger“ (!) Bordellbetrieb. Das Bordell am Liebfrauenberg findet sich in mittelniederdeutschen Quellen als "das fruwenn hus by sant Martens Capellen an der Avetucht" - hd. "Das Frauenhaus/ Freudenhaus bei der Kapelle des heiligen Martin an der Abzucht" befand sich pikanterweise südlich der Abzucht, also in der Domfreiheit. Hier galt kein Stadtrecht, sondern kanonisches Recht.

Das Etablissement lief also gewissermaßen unter der Kontrolle des Domstiftes. At the end of Liebfrauenberg, the remains of the gate chapel of St. Martin and the St. Martin's Gate Chapel and the St. Martin's Tower were incorporated into today's half-timbered buildings. Together with the city wall, they enclose a triangular courtyard. In the Middle Ages, this complex was owned by the cathedral chapter and was known as the "Bürgerhaus". Behind the name at that time was a "not disreputable" (!) brothel business. The brothel on Liebfrauenberg is found in Middle Low German sources as "das fruwenn hus by sant Martens Capellen an der Avetucht" - en. "The women's house/ brothel by the chapel of St. Martin on the Abzucht" was located, interestingly enough, south of the Abzucht, i.e. in the Cathedral Freedom. City law did not apply here, but canon law. In a sense, the establishment was under the control of the cathedral chapter.

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Neue Straße

Düsse Straat löppt siet 1549 nipp un nau so, as se dat vundag ok noch deit. Blots is se fröher noch nd. Nienstrate nennt worrn.

Der Verlauf der Neuen Straße wurde seit dem Jahr 1549 nicht verändert. Allerdings wurde sie damals noch nd. Nienstrate genannt.

 The course of Neue Straße has not been changed since 1549. However, at that time it was still called lg. Nienstrate.

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An der Gose

De Straat gifft dat al siet 1200. Un ok de Gose is dicht bi. Dat is de tweete Waterloop in Goslar un vun de hebbt de Lüüd ehr Water to’n Drinken nahmen. En stellt sik nu vellicht vör, dat sik de Lüüd to’n Water hollen un snacken drapen hebbt. So as de Göös snatert. De Naam vun den Stroom hett aver liekers nix mit dat Deert Goos to doon, doför aver mit den Stadtnaam Goslar. Denn *germ. “gos” bedüüd so veel as “Water, dat fix löppt un bruust”. De tweete Silbe *germ. „-lar“ heet so veel as „free´e Steed in’t Holt, wo een sik setten un dat Veeh laten kann“. Tosamen heet dat denn „Lager, wo dat Water brusen deit“. Un wenn een denn noch mal in dat Water vun de Gose kiekt, süht een ok, warum de Gose nu Gose heten deit.

 Die Straße besteht schon seit 1200. Ebenfalls ist der kleine Fluss Gose direkt daneben. Die Gose ist der zweite Fluss Goslars. Aus diesem entnahmen die Menschen ihr Trinkwasser. Nun kann man sich vorstellen, wie sich die Leute am Ufer zum Plaudern trafen und dabei schnatterten wie die Gänse. Doch hat der Name des Gewässers nichts mit Niederdeutsch Goos – hd. Gans zu tun. Vielmehr hängt er eng mit dem Stadtnamen Goslar zu zusammen. Denn *germ. „gos“ beudetet so viel wie „schnell fließendes, sprudelndes Wasser“. Die zweite Silbe *germ. „-lar“ heißt so wie „eine freie Stelle in einem Mischwald, an der man siedeln und weiden lassen kann“. Kombiniert ergibt sich dann die Bedeutung von „Lager am sprudelnden Wasser“. Wer nun noch mal einen Blick zur Gose wagt, erhält auch direkt eine Vorstellung davon, warum die Gose nun Gose heißt.

The street has existed since 1200 and the small river Gose is right next to it. The Gose is Goslar's second river. People used to take their drinking water from it. Now you can imagine how people used to meet on the banks to chat, chattering like geese. But the name of the river has nothing to do with the Low German Goos - en. Goose. Rather, it is closely related to the name of the town of Goslar. For *germ. “gos” means something like “fast-flowing, bubbling water”. The second syllable *germ. “-lar” means something like “an open space in a mixed forest where one can settle and graze”. Combined, this gives the meaning of "camp by bubbling water". If you now take another look at the Gose, you will immediately get an idea of why it is now called Gose.

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Schreiberstraße

De Schreiberstraße dükert al in dat Johr 1200 op. Dor aver noch as Riekenstraße. Nd. riek heet hd. Reich sein aver ok das Reich. Dat weer hier fröher en Streek wo vele Börgermeesters wahnt hebbt – also rieke Lüüd. Aver se weer ok de Grenz twüschen dat Bargdörp, dat to’n Domstift höört hett un dat Marktdörp, wo later de Kooplüüd vun de Hanse wahnt un arbeidt hebbt. Wenn een so will, weer de Straat also ok de Scheed twüschen twee Rieken. Ehren Naam nd. Schriverstrate hett se in dat 15. Johrhunnert kregen. Vun en Mann, de Tile Schriver heten hatt. De hett dor wahnt un hett sik wohrhaftig sien Lohn un Broot mit´t Schrieven  verdeent.

Die Schreiberstraße wird erstmals 1200 erwähnt. Zu dieser Zeit hieß sie aber noch Riekestraße. Nd. riek heißt sowohl hd. Reich sein als auch das Reich. Die Straße lag früher in einem Gebiet, das eine sehr gute Wohngegend für wohlhabende Bürger war. Auch viele Bürgermeister der Stadt stammten von hier. Also reiche Leute. Allerdings war die Straße auch Grenze zwischen dem Bergdorf, dass zum Domstift gehörte und dem Marktflecken, wo dann später die Kaufleute der Hanse lebten und arbeiteten. Die Straße könnte folglich auch als Grenze zwischen zwei Reichen verstanden werden. Den Namen nd. Schriverstrate erhielt sie im 15. Jahrhundert. Namensgeber war ein dort ansässiger Mann mit Namen Tile Schriver, der von Beruf tatsächlich Schreiber war.

 Schreiberstraße was first mentioned in 1200. At that time, however, it was still called Riekestraße. Lg. riek means both en. being rich as well as the realm. The street used to be in an area that was a very good residential area for wealthy citizens. Also many mayors of the city came from here. So rich people. However, the street was also the border between the mountain village, which belonged to the cathedral chapter, and the market town, where the merchants of the Hanseatic League later lived and worked. The street could therefore also be understood as a border between two empires. The name lg. Schriverstrate came up in the 15th century. It was named after a man named Tile Schriver, who actually was a scribe by profession.

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Bulkenstraße

In dat Johr 1342 dükert de Bulkenstrate dat eerste Mal op. De Naam kuumt woll ut de Spraak vun de Barglüüd. Denn de „Bulgen- / Bulkenkunst“ weer en Maschien ut Holt, mit de Gruvenwater in Ledderbüdels schöppt worden is. In de Straat hebbt woll de Handwarkers wahnt, de düsse Maschien buut hebbt. Bulk kummt von *germ. *bulkô – för Stapel, Hupen. Dat Wort kennt wi aver ok noch vundag. Bulkworen sünd Woren, de nich enkelt inpackt sünd oder Massenwoor. Un dat passt jo ok en beten mit Water tosamen – denn ok Water kann een nich so goot in Geschenkpapeer inslaan.

 Im Jahr 1342 wird die Bulkenstrate das erste Mal urkundlich erwähnt. Der Name leitet sich vermutlich aus der Bergmannsprache ab. Die „Bulgen- / Bulkenkunst“ war eine hölzerne Maschine mit Lederbeuteln, mit der Grubenwasser geschöpft werden konnte. In der Straße wohnten vermutlich die Handwerker, die für Bau und Wartung der Maschinen zuständig waren. Bulk kommt von *germ. *bulkô – hd. Stapel, Haufen. Das Wort wird aber auch heutzutage noch gebraucht. Bulkware sind Güter, die nicht einzeln verpackt werden oder auch Massenware. Das passt auch gut mit der Bulkenkunst für das Grubenwasser zusammen. Denn Wasser lässt sich nur schlecht in Geschenkpapier einwickeln.

 Bulkenstrate was first mentioned in a document in 1342. The name is probably derived from the miner's language. The "Bulgen-/ Bulkenkunst" was a wooden machine with leather pouches with which mine water could be scooped. The craftsmen who were responsible for building and maintaining the machines probably lived in the street. Bulk comes from *germ. *bulkô - en. pile, heap. However, the word is still used today. Bulk goods are goods that are not individually packaged or also mass-produced goods. This also fits in well with the Bulkenkunst for pit water. Because water is difficult to wrap in wrapping paper.

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Bäckergildehaus

In den Gievel vun dat Bäckergildehaus is inschreven: mnd.: [Grodt] · rikedvm · ist · en · wol de · bewan ivm[..] m[...] - hd.: „Großer Reichtum ist dem gewiss, der immer (Mäßigung) bewahrt“. Dat is de Paraphase vun een latiensch Bibelzitat: "est autem quaestus magnus pietas cum sufficientia" - hd.: "Die Frömmigkeit bringt in der Tat reichen Gewinn, wenn man nur genügsam ist." (Lutherbibel, der 1. Brief an Timotheus, Kap. 6). Dat Middelnedderdüütsche is öller as dat Hochdüütsche ut dat Johr 1557, wat achteran steiht. Dat sünd de öllsten Huusinschriften op Hochdüütsch in Goslar. Dor kann een goot sehn, wo wichtig Plattdüütsch ok för den Glöven weer, in de Tiet, vör dat in de Reformtschon de Bibel op Hochdüütsch rutkamen is.

 Die Inschrift auf dem Giebel des Bäckergildehauses lautet: mnd.: [Grodt] · rikedvm · ist · en · wol de · bewan ivm[..] m[...] - hd.: Großer Reichtum ist dem gewiss, der immer (Mäßigung) bewahrt. Die Inschrift ist die Paraphrase eines Bibelzitates aus dem Lateinischen "est autem quaestus magnus pietas cum sufficientia" - hd.: "Die Frömmigkeit bringt in der Tat reichen Gewinn, wenn man nur genügsam ist." (Lutherbibel, der 1. Brief an Timotheus, Kap. 6). An die früher entstandene mittelniederdeutsche Inschrift schließen Verse auf Hochdeutsch aus dem Jahr 1557 an. Dies sind die ältesten hochdeutschen Hausinschriften Goslars. Dies zeigt deutlich, wie präsent das Plattdeutsche auch im Glaubenskontext bis zur Verbreitung der Reformation durch die hochdeutsche Bibelübersetzung war.

 The inscription on the gable of the bakers' guild house reads: mlg..: [Grodt] - rikedvm - is - en - wol de - bewan ivm[...] m[...] - en.: Great wealth is certain to him who always keeps (moderation). The inscription is a paraphrase of a biblical quotation from Latin "est autem quaestus magnus pietas cum sufficientia" - en.: "Piety indeed brings rich gain, if only one is frugal." (Luther Bible, the 1st Letter to Timothy, ch. 6). The earlier Middle Low German inscription is followed by verses in High German from 1557. These are the oldest High German house inscriptions in Goslar. This clearly shows how present Low German was even in the context of faith until the spread of the Reformation through the High German translation of the Bible.

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Bergstraße

Dat eerste Mal warrt de Straat 1367 nennt. De Naam mnd. Berchstrate wiest, dat se direktemang na den Rammelsbarg henleep. 

Die erstmalige Erwähnung datiert auf das Jahr 1367. Unter dem Namen "Berchstrate" führte sie zum Rammelsberg.

It was first mentioned in 1367 and led to the Rammelsberg under the Middle Low German name "Berchstrate"- en. Mountain road.

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Worthsatenwinkel

De Worthsatenwinkel hett woll mal „Wurstewinkel“ heten. Wat dat nu wat mit de winkelige Loop vun en Wustsnoor to doon hett, is nich seker. Wenn een sik aver den aktuellen Naam ankiekt, warrt dat al spannender. Nd. Worth meent en lütte Bült, op de Hüser staht. Winkel meent, dat de Straat vele Bögen sleit. Un -saten-? Hier kunn dat tominnst dree Möglichkeiten geven. 1. Dat kummt vun ollslawisch „sadu“ för Goorn. Dat kunn ok ween, denn in´n Harz hebbt ok Barglüüd ut dat Erzgebirge leevt. De hebbt ok Wöör ut dat Tschechsche mitbrocht. 2. Dat hangt mit nd. Soot – hd. offener Brunnen tosamen. 3. Dat betreckt sik op osäs. sāt - hd. Sasse, Bewohner. Also kann dat villicht bedüden, dat dat en hoge, buchtige Straat mit Goorns oder Soten weer oder een in de een wahnen kann.

 Der Worthsatenwinkel hat wohl mal den Namen „Wurstewinkel“ getragen. Ob die Namensgebung sich von dem kurvigen Lauf einer Wurstkette ableitet, ist nicht geklärt. Interessanter ist allerdings der aktuelle Name. Nd. Worth meint eine kleine Erhebung, auf der Häuser stehen. Winkel meint, dass die Straße kurvig verläuft. Und -saten-? Hier wären eventuell mindestens drei Deutungen denkbar. 1. Es handelt sich um eine Ableitung von altslawisch „sadu“ für Garten. Dies wäre insofern denkbar, als dass viele Bergleute aus dem Erzgebirge in den Harz migriert sind. Sie brachten auch sprachliche Einflüsse aus dem Tschechischen mit. 2. Es besteht ein Zusammenhang mit nd. Soot – hd. offener Brunnen. 3. Es wird auf die Bewohnbarkeit hingewiesen denn asäs. sāt - hd. Sasse, Bewohner. Möglich wäre folglich, dass eine höhergelegene, kurvige Straße mit Gärten oder Brunnen beziehungsweise eine, die bewohnbar ist, beschrieben wird.

 The Worthsatenwinkel was probably once called "Wurstewinkel". Whether the name is derived from the curved course of a sausage chain is not clear. More interesting, however, is the current name. Lg. Worth means a small elevation on which houses stand. Winkel means that the road is curved. And -saten-? At least three interpretations are conceivable here. 1. it is a derivative of the Old Slavic "sadu" for garden. This would be conceivable insofar as many miners migrated from the Ore Mountains to the Harz Mountains. They also brought linguistic influences from Czech with them. 2. there is a connection with lg. Soot - en. open well. It is possible, therefore, that an elevated, winding street with gardens or fountains, or which is habitable, is being described.

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Stoben

Stoben“ is dat middelnedderdüütsche Woort för hitte Stuven. Düsse hitten Stuven sünd in dat Middelöller faken de Baadkammers för jeedeen ween.

„Stoben“ ist das middelniederdeutsche Wort für beheizte Stuben. Die „beheizten Stuben“ bezeichneten im Mittelalter vornehmlich öffentliche Badestuben.

 "Stoben" is the Middle Low German word for heated parlours. In the Middle Ages, these Staven mainly referred to public bathing rooms.

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Fleischscharren

De Naam vun de Straat wiest dorop hen, dat in dat Middelöller hier de Slachters ut de Knochernhauerstraße mit ehr Verkoopsboden und -dischen ween sünd. Scharren hett op Middelnedderdüütsch egens mal soveel as "Schranke" heten un later weren dor Dischen op un Tresen. Kooplüüd hebbt över de Scharren ehr Verkoopssteed markeert.

Der Straßenname weist darauf hin, dass in dieser Straße im Mittelalter die Fleischer aus der Knochenhauerstraße ihre Stände aufgebaut hatten. Das mittelniederdeutsche Wort "Scharren", ursprünglich Schranke, weitete zu dieser Zeit seine Bedeutung auch auf Tische oder Tresen aus, mit denen die Händler ihren Verkaufsbereich markierten.

The street name indicates that in the Middle Ages the butchers from Knochenhauerstraße set up their stalls in this street. The Middle Low German word "Scharren", originally Schranke = barrier, extended its meaning at this time to tables or counters with which the merchants marked their sales area.

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Hokenstraße

In dat Johr 1186 hett de Hokenstraße noch „Hokinstrate“ heten. Dat kümmt vun mnd. hoke – hd. Höker, Kleinkrämer. In dat Middelöller harrn in düsse Straat mehr lüttere Kooplüüd ehr Hüüs. Im Jahr 1186 wurde die Hokenstraße „Hokinstrate“ genannt. Dies ist eine Ableitung von mnd. "hoke" = Höker, Kleinkrämer. Im Mittelalter in dieser Straße eher kleinere Kaufleute ansässig. Die Hoken handelten vor allem mit Fein-, Weiß- und Wollwaren.

 In 1186, Hokenstraße was called "Hokinstrate". This is a derivation of mlg. hoke = en. small merchant. In the Middle Ages, smaller merchants tended to live in this street. The Hoken traded mainly in fine, white and woollen goods.

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Rosentorstraße

De Rosentorstraße liggt bi de Jakobikark un dükert al üm dat Johr 1200 op. „Rosenstraßen“ sünd faken Steden, wo Fruunslüüd ehren Lief verköpen doot. Rose weer en Synonym för Hoor. In Goslar sünd de Horenhüüs för de Kark woll nich so en grote Schann. Denn so as bi de Liebfrauenberg hett de Kark en waak Oog op de Horen hatt.

In’n Süden vun de Jakobikark hett de Straat in wisse Tieden ok „Wockenfotstraße“ heten. De Naam kummt vun en Huus ut dat 13. Johrhunnert mit den Naam „Wockenfot“. As nd. Wockenfot – hd. Wockenfuß hett een fröher dat Rick för Wull nöömt, de to spinnen weer. Mag ween, dat weer de Straat vun de Spinnereen un Wever.

 Die Rosentorstraße bei der Jakobikirche ist bereits um das Jahr 1200 verzeichnet. „Rosenstraßen“ wird in der Literatur häufig etwas Anrüchiges zugeordnet, etwa in dem Sinne, dass hier vielleicht Dirnen als „Rosen“ umschrieben wurden und ihrem Gewerbe nachgingen. Interessant in Goslar ist, dass sich wie beim Liebfrauenberg die Prostituierten auch hier „unter den Augen“ der Kirche ansiedelten.

Südlich der Jakobikirche wurde sie zeitweise Wockenfotstraße genannt. Der Name geht auf ein urkundlich im 13. Jahrhundert nachweisbares Haus „Wockenfot“ zurück. Als nd. „Wockenfot“ – hd. Wockenfuß bezeichnete man früher den Ständer für zu spinnende Wolle. Dies war möglicherweise die Straße der Spinn- und Webgewerke.

 Rosentorstraße next to the Jakobi Church is already recorded on Griep's map "Goslar around 1200".  In literature, "rose streets" are often associated with something disreputable, for example in the sense that prostitutes were perhaps described here as "roses" and pursued their trade.

South of the Jakobi Church it was sometimes called Wockenfotstraße. The name can be traced back to a house called "Wockenfot", which is documented in the 13th century. As nd. "Wockenfot" – en. Wockenfoot used to be the name of the stand for wool to be spun. This was possibly the street of the spinning and weaving trades.

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Petersilienstraße

Fruenslüüd in de Hansetiet hebbt glöövt, dat se mit Petersill Kinner afdrieven kunnen. Sunnerlig Fruenslüüd, de ehren Lief verköpen mussen, hebbt düssen Weg versöcht. Vele Steder in´t Middelöller harrn dorüm Horenstraten mit den Naam "Petersilienstrate".

 Petersilie war im Mittelalter ein von Prostituierten genutztes Mittel, um Abtreibungen herbeizuführen. In vielen mittelalterlichen Städten hießen in der Folge Rotlichtbezirke "Petersilienstraßen".

 Parsley – hg. Petersilie was also used in the Middle Ages by prostitutes to induce abortions. In many medieval towns, red-light districts were subsequently called "parsley streets".

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Teufelsturm

Dat warrt vertellt, dat Graf Siegfried vun Blankenborg 1280 in Goslar in’n Kaschott kamen is. Denn he hett de Lüüd ut Goslar ehr Veeh klaut. Üm wedder free to kamen, muss he den Bu vun de Weber- un achteran vun den Teufelsturm betahlen.

An de Achtersiet vun den Toorn is en Tafel ut Steen, wo inschreven is: mnd.: VAN · BLA(N)KE(N)BORCH · G(RE)/UE · SIFRIT · DHISSEN · T/ORN · GE·BUWET · HA·T · U/OR · DHAZ · DHAZ · VIE · GE·/[ROWET · WOORDEN · ANNO · 1280 - hd.: Graf Siegfrid von Blankenburg hat diesen Turm gebaut, nachdem zuvor (der Stadt) das Vieh geraubt worden war. Im Jahr 1280.

Schaad is, dat een sik de Tafel nich ankieken kann. De Goorn is privat. Aver in uns Hanserouten-Film över Goslar, wiest wi jo en Opnahm vun de Tafel.

Bavento sünd de Naams un Johrstallen nich nipp un nau seker. Wat de Vertellen op de Tafel liekers wiest: de Lüüd ut Goslar weren bannig stolt. Se hebbt sik nich vun een Adligen ünnerkriegen laten un sik dörchsett.

Laut einer Sage geriet Graf Siegfried von Blankenburg 1280 in goslarer Gefangenschaft, nachdem er den Bürgern zuvor Vieh gestohlen hatte. Als Lösegeld, musste er den Weber- und danach den Teufelsturm bauen lassen.

Eine öffentlich nicht zugängliche Steintafel an der Rückseite des Teufelsturms in der Mauerstraße beschreibt den Sachverhalt: mnd.: VAN · BLA(N)KE(N)BORCH · G(RE)/UE · SIFRIT · DHISSEN · T/ORN · GE·BUWET · HA·T · U/OR · DHAZ · DHAZ · VIE · GE·/[ROWET · WOORDEN · ANNO · 1280 - hd.: Graf Siegfrid von Blankenburg hat diesen Turm gebaut, nachdem zuvor (der Stadt) das Vieh geraubt worden war. Im Jahr 1280.

Im Hanserouten-Film über Goslar ist die Tafel jedoch zu sehen.

Auch wenndie Daten und Namen nicht gesichert sind, zeugt die Steintafel vom Selbstbewusstsein der Goslarer. Sie unterwarfen sich nicht der räuberischen Willkür einer adligen Obrigkeit und hielten dies öffentlich fest.

 According to legend, Count Siegfried von Blankenburg was imprisoned in Goslar in 1280 after stealing cattle from the townspeople. As a ransom, he had to build the Weavers' Tower and then the Devil's Tower.

A stone plaque on the back of the Devil's Tower in Mauerstraße, which is not accessible to the public, describes the facts: mlg.: VAN · BLA(N)KE(N)BORCH · G(RE)/UE · SIFRIT · DHISSEN · T/ORN · GE·BUWET · HA·T · U/OR · DHAZ · DHAZ · VIE · GE·/[ROWET · WOORDEN · ANNO · 1280 - en.: Count Siegfrid von Blankenburg built this tower after the cattle had previously been stolen from (the town). In the year 1280.

However, the plaque can be seen in the Hansa Route film about Goslar.

Even if the dates and names are not certain, the stone tablet testifies to the self-confidence of the people of Goslar. They did not submit to the predatory arbitrariness of a noble authority and recorded this in public.

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Piepmäkerstraße

De Straat heet na de „Piepmäkers“. Düsse Handwarkers hebbt Röhren buut. Dörch düsse mnd. Pipen – hd. Holzröhren leep dat Water dörch de Stadt. Later hebbt de Piepmäkers aver ok Röhren ut Blie buut. Dat Wort Pi(e)pe kunn in’t Middelöller op twee Wege schreven warrn. Eenmal mit un eenmal ahn „e“. De Piepmäkerstraße un de Beroop „Piepmäker“ schrifft een mit „ie“. Dat Rohr „Pipe“ blots mit „i“. Wenn een hüütigendags na SASS schrifft, is dat aver jümmers mit „ie“. Annerwegens sünd „Pieperstraßen“ aver faken ok en Teken, dat dor Speellüüd wahnt hebbt.

 Die Straße wurde nach den „Piepmäkern“ benannt. Es waren Handwerker, die als Röhrenbauer die mnd. Pipen – hd. Holzröhren, später auch Bleiröhren für den Wassertransport fertigten. Für das Wort Pi(e)pe gab es im Mittelniederdeutschen zwei verschiedene Schreibweisen. Einmal mit und einmal ohne „e“. Die Piepmäkerstraße und die Berufbezeichnung „Piepmäker“ werden mit „ie“ geschrieben, die Rohrleitung „Pipe“ dagegen nur mit einfachem „i“. Die derzeitige SASSsche Rechtschreibung sieht jedoch immer „ie“ vor. Andernorts sind „Pieperstraßen“ aber auch häufig ein Hinweis darauf, dass dort Musikanten lebten. Denn Plattdeutsch "Piep" bedeutet auch Pfeife oder Flöte.

 The street was named after the "Piepmäkern". They were craftsmen who, as pipe builders, made the mlg. Pipen – en. wooden pipes, later also lead pipes for water transport. There were two different spellings for the word Pi(e)pe in Middle Low German. One with and one without an "e". Piepmäkerstraße and the occupational name "Piepmäker" are spelled with an "ie", whereas the pipe "Pipe" is spelled only with a simple "i". However, the current SASS spelling always provides for "ie".

Elsewhere, however, "Pieperstraßen" are often an indication that musicians lived there. For the Low German "Piep" also means whistle or flute.

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Kniggestraße

Üm dat Johr 1200 hett de Straat noch mnd.: Pekstenestraße - hd. Pechsteinstraße heten. Dormit meent is woll nich de Pechsteen, de een bi Bargen finnen kann, de noch Füer speen doot. Hier geiht dat üm de Picköölsteen. De hebbt Steenhauer in’t Middelöller bruukt. Se hebbt dormit de Kien – „Harz“ ut dat Nadelboomholt presst. So kunnen se Pick oder Teer maken.

 Um 1200 ist die Kniggestraße noch als mnd.: Pekstenestraße - hd. Pechsteinstraße verzeichnet. Gemeint ist vermutlich der Pechölstein und nicht die vulkanische Gesteinsart Pechstein. Pechölsteine wurden im Mittelalter hergestellt, um aus harzhaltigen Nadelbäumen Teer bzw. Pech zu gewinnen.

 Around 1200, Kniggestraße is still known as mnd: Pekstenestraße - hg. Pechsteinstraße. This probably refers to the pitch oil stone and not the volcanic rock type pitch stone. Pitch oil stones were made in the Middle Ages to extract tar or pitch from resinous conifers.

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Fischemäkerstraße

Fisch is in’t Middeloller in de Fischemäkerstraat verköfft worrn. Mehrstendeels ween dat Heren. Dat geev ok en egen Beroop blots för’t Waschen vun de Heren. De Fischkooplüüd hören to de Hoken – lütte Kooplüüd. Bet in dat 18. Johrhunndert hett de Straat ok noch mnd. „Fischemengerstrate“ heten. Se hett en ne’en Naam kregen, dormit dat beter to de anneren Straten as to’ Bispeel de Piepmäkerstraße, passt. Dat mnd. „-menger“ wiest aver düütlich, dat dat Woort mit en. „monger“ – hd. Händler verwandt is.

 In der Fischemäkerstraße hatten im Mittelalter die Fischhändler, überwiegend Heringsverkäufer und Heringswäscher ihre Verkaufsstände. Sie wurden ebenfalls zu den Hoken – Kleinhändlern gezählt. Allerdings war die ursprüngliche Bezeichnung mnd. "Fischemengerstrate". Die Angleichung an die z.B. Piepmäkerstraße erfolgte erst im 18. Jahrhundert. Das mnd. "-menger" zeigt jedoch deutlich die enge Verwandtschaft zum en. "monger" für hd. Händler.

 In the Middle Ages, fishmongers, mainly herring sellers and herring washers, had their stalls in Fischemäkerstraße. They were also counted among the Hoken - small traders. However, the original name was "Fischemengerstrate". The alignment with e.g. Piepmäkerstraße only took place in the 18th century. The mlg. "-menger", however, clearly shows the close relationship to the English "monger".


Footloop dörch Goslar

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