Die Besiedlungsgeschichte Der Liparischen Inseln

Die Liparischen Inseln, welche sich vor der Nordküste Siziliens im Tyrrhenischen Meer befinden, bestehen aus insgesamt 7 Inseln. Jede der Inseln wird auf eine spezielle und einzigartige Weise genutzt. Sie breiten sich auf einem komplexen Vulkansystem, auf dem Meeresboden, aus und bilden eine Vulkankette. Alle Inseln beeindrucken mit ihrer atemberaubenden Schönheit und reicher Geschichte. Von schwarzem Sandstrand bis hin zu schroffen Bergen und pittoresken Dörfern bieten die Liparischen Inseln eine faszinierende Mischung aus natürlicher Pracht und kulturellem Erbe.

"EOLIE" FROM ABOVE (Aeolian Islands) von youtube.com

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Auf dieser Karte erkennt man die 7 Liparischen Inseln, Stromboli, Lipari, Vulcano, Salina, Panarea, Alicudi und Filicudi


Wenn man sich die Kultur auf Liparischen Inseln genauer anschaut, erkennt man, dass sie von vielen verschiedenen Einflüssen geprägt sein muss. Dies liegt vermutlich daran, dass sich im Laufe der Zeit immer wieder neue Völker auf den Liparischen Inseln niederliessen. Hier wäre ein grober Überblick zu den verschiedenen Bevölkerungen, welche sich auf den Liparischen Inseln niederliessen.

5000 vor Chr.

Die Liparischen Inseln, insbesondere die Hauptinsel Lipari, gelten bereits seit dem 5 Jahrtausend vor Christus als bewohnt. Man vermutet das die Ersten Siedler von Sizilien aus auf die Inseln kamen. Da die Inseln reich an Obsidian waren, wurden sie schnell zu einem wichtigen Handelsposten und der Wohlstand auf den Inseln schoss in die Höhe.

4300 vor Chr.

In der Kupferzeit, als der Obsidian Handel nach und nach an Wichtigkeit verlor, sank auch der allgemeine Wohlstand auf den Inseln und die allgemeine Bevölkerungsanzahl nahm rasant ab.

1800 vor Chr.

Nach einiger Zeit erholten sich die Inseln und es entstanden viele Dörfer auf den herumliegenden kleineren Inseln.

600 vor Chr.

Die Griechen lassen sich auf den Liparischen Inseln nieder. Welchen Einfluss die Griechen auf den Inseln hatten, werden wir nachher noch genauer anschauen.

264 vor Chr.

Die Liparischen Inseln gehören zum Römischen Reich. Dies werden wir ebenfalls später noch genauer erläutern. Nach dem Zusammenbruch des römischen Reiches dienten die Liparischen Inseln als Unterschlupf für Piraten.

900 nach Chr.

Unter der Herrschaft der Araber auf Sizilien fungierten die Inseln als militärischer Vorposten

1100 nach Chr.

Unter der Herrschaft der Normannen blühte der Wohlstand wieder auf. m Auftrag von Roger I., dem damaligen Herrscher Siziliens, wurde auf Lipari ein Benediktinerkloster und die Kirche San Bartolomeo errichtet.

1544 nach Chr.

1544 eroberte der osmanische Seefahrer Khair ad-Din Barbarossa die Liparischen Inseln und verschleppte fast die gesamte Bevölkerung Liparis in die Sklaverei.

1700 nach Chr.

Im 17. Jahrhundert wurden die Inseln unter der Obhut der katholischen Kirche erneut besiedelt.

1900 nach Chr.

Im 19. Jahrhundert sorgte der Handel mit Sizilien und dem italienischen Festland (Fisch, Wein, Keramik und Bimsstein) erneut für wirtschaftlichen Aufschwung, bis 1888 der Ausbruch des Vulcano vielen Inselbewohnern ihre Existenzgrundlage zerstörte. Über ein Drittel der Bevölkerung wanderte zwischen 1900 und 1950 nach Amerika und Australien aus.

1940 nach Chr.

Die Liparischen Inseln werden während des Faschismus als bevorzugtes Verbannungsort (Exil) für Tausende von Antifaschisten. Nach dem Kriegseintritt Italiens im Juni 1940 richtete das faschistische Regime 1941 am selben Standort ein Internierungslager ein.

1990 nach Chr.

Seit den 1990er Jahren leben die Bewohner in erster Linie vom Tourismus und vom Erhalt der Ferienhäuser wohlhabender Norditaliener.


Nun werden wir uns den Griechen und den Römern widmen und deren Einfluss, in die Infrastruktur und Kultur von Lipari genauer anschauen.

Der Einfluss der Griechen

Bereits im 6 Jahrhundert vor Christus besiedelten die Griechen einige Teile der Liparischen Inseln. Die ersten Erwähnungen der Inselkette findet man aber schon viel früher, nämlich in der griechischen Mythologie. Diese Besagt das der griechische Gott Äolas, welcher von Zeus die Aufgabe erhielt den Wind zu verwalten, hier einst hauste. Daher werden die Inseln auch als «Inseln der Winde oder Äolische Inseln» bezeichnet. Auch heute findet man noch zahlreiche Einflüsse dieses Mythos auf den Inseln. Wie zum Beispiel dieses Wandbild auf Lipari, welches den griechischen Gott Äolas symbolisiert, im Zusammenspiel mit der Liparischen Post.

Die Hauptinsel Lipari fungierte damals als Handelszentrum. Heutzutage weisen zahlreiche archäologische Funde auf die Zeit der Griechen zurück, darunter Keramik, Tempelruinen, Garber oder auch Gebäude. So sind die klassischen weissen Häuser auf Stromboli sehr repräsentativ für die griechische Architektur.

Der Einfluss der Römer

Eine weitere prägende Zeit für die Inseln war die Zeit, als die Römer über die Inseln herrschten. Auch sie hinterliessen zahlreiche Überreste ihres einst mächtigen Imperiums. Die Römer nutzen diese Inseln aber weniger als Wohnraum, sondern als Strategische Lage und Handelszentrum. Dies liegt vor allem daran, dass sie als Brückenkopf für die Kontrolle über die Seewege in der Region dienen können. Auch Schutz vor Seeräubern und eine topografisch Vorteilhafte Verteidigungsmöglichkeit wird auf den Liparischen Inseln gegeben. Um einen möglichst reibungslosen Prozess zu gewähren, mussten die Römer viel in Infrastruktur investieren. Die Römer waren bekannt für ihre praktischen und sehr fortgeschrittenen Bauten welche ihnen ihr Handel ermöglichten. Die Strassen auf Lipari sind immer noch von der römsichen Bauart mit den Steinen geprägt. Dies ermöglichte ihnen ein schnelleres fortbewegen von Gütern und so auch einen rascheren Handel.

Die Lage des Hafens ist auch sehr günstig gewählt worden, weil nur Ostwind den Hafen richtig treffen würde und von allen anderen Richtungen geschützt ist. Dies ermöglicht ihnen ein einfacheres ent- oder beladen ihrer Schiffe. Diese Hafen Lage hat bis heute gehalten und wird dies sicher auch noch lange.


Nun werden wir uns in einem zweiten Teil der Entstehungsgeschichte der 3 Hauptinseln Lipari, Vulcano und Stromboli widmen.

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Lipari

Lipari, als herausragendes Exemplar der Äolischen Inseln im Tyrrhenischen Meer, ist ein archetypisches Resultat eines tiefgreifenden geologischen Prozesses, welcher vor etwa 600.000 Jahren seinen Anfang nahm und bis heute fortdauert.

Die Entstehung der Äolischen Inseln wurzelt in den tektonischen Kräften, die durch die Subduktion der afrikanischen Platte unter die eurasische Platte erzeugt werden. Dieser subduktive Vorgang eröffnete die Möglichkeit für das Aufsteigen von Magma aus dem Erdmantel, das sich an der Oberfläche entlud, indem es den Grundstein für eine Fülle vulkanischer Aktivitäten legte.

Lipari selbst repräsentiert ein bemerkenswertes Kapitel dieser Geschichte. Vor ungefähr 200’000 Jahren initiierte der Vulkanismus auf der Insel die Bildung eines komplexen stratovulkanischen Komplexes. Diese geologische Einheit setzt sich aus einer Vielzahl von Vulkanen und vulkanischen Strukturen zusammen.

Die Magmatischen Quellen, welche das vulkanische Geschehen auf Lipari speisen, entspringen dem oberen Erdmantel. Die dabei entstehenden Magmen sind außerordentlich siliziumreich, was ihre Zähflüssigkeit erhöht und die Charakteristik explosiver Eruptionen typisch für Stratovulkane zur Folge hat.

Die geologische Diversität auf Lipari zeigt sich in der Entstehung verschiedener Gesteinstypen. Hierzu zählen Basalt, Obsidian und Bimsstein. Von besonderer Relevanz ist das Vorkommen von Obsidian, einem glasartigen vulkanischen Gestein, das in beträchtlichen Mengen auf Lipari zu finden ist und in prähistorischer Zeit als Rohstoff für Werkzeuge und Waffen diente.

Eine bedeutende Verflechtung besteht zwischen Lipari und anderen Vulkanen in der Region, insbesondere dem benachbarten Vulkan Vulcano. Diese Vulkane teilen gemeinsame magmatische Reservoire und sind durch vielschichtige Interaktionen miteinander verbunden. Diese Wechselwirkungen tragen zur geologischen Dynamik und Komplexität der gesamten Region bei.

2

Stromboli

Vor etwa 40.000 Jahren kam es im Jungpleistozän zum Initialausbruch des Urstromboli. Der als Schlotfüllung stehen gebliebene Rest eines möglicherweise älteren Vulkans ist der 1500 Meter vor der Nordostküste im Meer liegende Strombolicchio. Am Ende der Tätigkeit des Urstromboli formte sich durch einen vulkantektonischen Einbruch eine Caldera, die heute durch die Sierra i Vàncori markierte, zur See hin offene Urstromboli-Caldera.

Innerhalb dieser Caldera bildete sich in der Folgezeit ein neuer Vulkan, aus dem Zentrum der alten Caldera eingeschachtelte ältere Neo-Stromboli, dessen Erstausbruch vor etwa 10.000 Jahren begann. Im Laufe seiner Tätigkeit füllte der Neo-Stromboli die Urstromboli-Caldera fast vollständig auf, wobei im Gegensatz zur heutigen Tätigkeit des Stromboli’s reichlich Laven ausflossen. Vor 5000 bis 6000 Jahren kam es am Ende der Tätigkeit des älteren Neo-Stromboli’s wiederum zu einem, jedoch kleineren Caldera-einbruch. Durch den Caldera-einbruch bildete sich der Sciara-del-Fuoco-Graben, eine so genannte „hängende Caldera“ am Nordwesthang des Vulkans.

Nach dem Einbruch dieser Neo-Stromboli-Caldera bildete sich vor rund 5000 Jahren an deren Südostende exzentrisch der jüngere Neo-Stromboli, der bis heute noch aktiv ist. 

3

Vulcano

Die morphologische und geologische Entstehungsgeschichte der heute sichtbaren Insel Vulcano ist ein faszinierendes Beispiel für die Evolution eines Vulkans und eines komplexen geologischen Systems.

Die Geschichte von Vulcano beginnt vor Millionen von Jahren, als sich die Äolischen Inseln im Rahmen eines geologischen Prozesses bildeten. Vulcano selbst ist das Ergebnis von vulkanischer Aktivität und der Bewegung der afrikanischen und eurasischen tektonischen Platten.

Die frühe Entwicklungsphase von Vulcano fand unter dem Meeresspiegel statt. Hier entstand ein Unterwasservulkan, der im Laufe der Zeit durch das Aufsteigen von Magma und vulkanischem Gestein allmählich an Höhe gewann. Dieser Prozess führte zur Ablagerung von Basaltgestein und anderen vulkanischen Materialien auf dem Meeresboden.

Vor etwa 100.000 bis 40.000 Jahren erfolgte die erste bemerkenswerte Explosion, die einen Großteil des ursprünglichen Vulkankegels zerstörte und den Krater hinterließ, den wir heute als den "Gran Cratere" kennen. Dieser Explosionsausbruch war ein entscheidender Moment in der Entstehungsgeschichte von Vulcano.

Während der Akronischen Phase, die vor etwa 6.000 bis 2.000 Jahren begann, erlebte Vulcano eine Serie von hochexplosiven Eruptionen. Diese Ausbrüche formten die Insel weiter und führten zur Bildung von charakteristischen geologischen Merkmalen wie Fumarolen und Schwefelablagerungen. Fumarolen sind heiße Gasaustritte, die aufsteigende vulkanische Gase anzeigen, und sie sind auf Vulcano weit verbreitet.

Die historische Phase von Vulcano setzte im 17. Jahrhundert ein und dauert bis heute an. In dieser Zeit gab es mehrere kleinere Eruptionen und geothermische Aktivitäten, die die Insel ständig veränderten. Eine der bekanntesten Eruptionen war die im Jahr 1888, die beträchtliche Schäden verursachte und die geologische Topografie der Insel veränderte.

Moderne geothermische Aktivitäten, wie Fumarolen und heiße Schwefelquellen, sind auf Vulcano immer noch vorhanden und zeugen von der anhaltenden vulkanischen Aktivität unter der Oberfläche der Insel.

Vulcano besteht aus vier morphologischen und geologischen Einheiten:

1.      Alt-Vulcano wird gebildet aus dem ältesten Vulkan der Insel, einem großen Stratovulkan, der mehr als zwei Drittel der Inselfläche, den gesamten südlichen Teil, einnimmt und der darin eingelagerten jüngeren Piano-Caldera, der heute 300 bis 400 m über dem Meeresspiegel liegenden Hochfläche. An deren östlichem Rand liegt der Monte Aria, mit ca. 500 m der höchste Punkt der Insel.

2.       Der Lentia-Komplex nimmt die Nordwestküste der Insel ein und ist ein aus vulkanischen Staukuppeln zusammengewachsener kleiner Stratovulkan.

3.       Innerhalb des Lentia-Vulkans entstand in den letzten 10.000 Jahren der heute sich im sogenannten Fumarolen -Stadium befindliche aktive Vulkan, die 391 m hohe Fossa.

4.       Als nördliches Anhängsel von Vulcano entstand das flache Lava-Plateau des Vulcanello in historischer Zeit. Vulcanello besteht aus drei ineinander geschachtelten Vulkankegeln.

Lipari ist die älteste und grösste Insel der drei, danach kommt Vulcano und dann Stromboli. Lipari bildete sich aus einem Mix der anderen beiden Inseln. Während der Süden der Insel zusammen mit der benachbarten Insel Vulcano entstanden ist und Lavadome aufweist, ist der Westen und Osten durch strombolianische Eruptionen entstanden. In der Mitte befinden sich die Stratovulkane, die ebenfalls stark vertreten auf der Insel Vulcano sind. Alle drei haben verschiedene Besonderheiten, Stromboli explodiert alle 25min, Vulcano ist für Fumarolen und Schwefelablagerungen bekannt und Lipari für ihre reiche geologische Vielfalt.


Rückblickend haben wir auf der GG EF Exkursion sehr viel gelernt und es hat uns allen sehr gefallen.